Als Familie nach Äthiopien auswandern, aber warum?

Manche von euch kennen sie vielleicht schon und haben auch schon von ihren abenteuerlichen Plänen gehört. Meine Freundin Sarah und ihre zuckersüße Familie.
Mir fällt dieser Artikel ehrlich gesagt gar nicht leicht, denn bei dem Gedanken an das was kommt wird mir ganz schwer ums Herz. Ich habe nur die schwere des Abschiedes, Sarah hat dabei noch die Vorfreude und die Neugier auf ihr großes Abenteuer.
Im Winter heißt es für uns Abschied nehmen auf unbestimmte Zeit, denn Familie Kesthkaran startet ein großes Abenteuer. Ein mutiges Abenteuer, welches ich so besonders finde, dass ich euch davon berichten möchte.

Sarah, Bakak und ihre beiden Kinder wandern aus. Aber nicht in die Sonne Californiens oder nach Hawai um sich ein schönes leben zu machen, sondern nach Äthiopien. In das ärmste Land Afrikas um dort etwas zu bewegen und Gutes zu tun.
Wenn ich anderen Freunden davon erzähle kommt meist Erstaunen und die große Frage: „Warum?“

 

Sarah, erzähl uns mal, was euch zum Auswandern bewegt hat.

Ach, das sind viele Dinge. Babak, mein Mann, und ich wollten schon immer gemeinsam die Welt bewegen und bereisen. Und wir haben auch beide ein starkes Bedürfnis uns für Hoffnung und soziale Gerechtigkeit in unserer Umgebung und in der Welt einzusetzen. Wir sind auch spirituelle Menschen, wir haben beide Theologie studiert und Babak ist Pastor. Und jetzt haben wir einfach so den Eindruck, dass es „der richtige“ nächste Schritt für uns ist. Wir haben dabei so einen unlogischen Frieden im Herzen – deshalb machen wir das jetzt einfach. 

Die Entscheidung mit euren Kindern in ein anderes Land zu gehen um dort etwas gutes zu tun, ist ganz schön selbstlos und mutig oder würdest du auch sagen, ihr tut das für euch?

Natürlich ist es in erster Linie Hilfsbereitschaft und Liebe für benachteiligte und ungerecht behandelte Menschen, die uns bewegt. Aber wir haben auch immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es uns sehr gut tut, uns nicht nur um uns selbst, sondern eben besonders um andere Menschen zu drehen. Unseren Kindern wollen wir das auch gern vorleben und vermitteln – also ist es win-win für alle.

Was erwartet ihr euch von der Zeit in Afrika?

Wir glauben, dass wir dort das Leben von Menschen in Dörfern verbessern können. Und außerdem wird diese Zeit auch uns sehr verändern. Schon jetzt wird unser Horizont – und der unserer Kinder – viel weiter. Diese Erfahrung und diesen Blick auf die Welt, kann uns dann niemand mehr nehmen. Ich möchte einfach ein wildes, liebevolles und hilfsbereites Leben leben. Das erhoffe ich mir davon!

Wie seid ihr auf Äthiopien gekommen?

Das war ein langer Prozess. Aber letztendlich haben wir nach einem Team gesucht, wo unsere Fähigkeit und Begabungen gesucht werden und das haben wir in Äthiopien gefunden. 
 
 

Was meinst du was euch dort erwarten wird?

Im Moment habe ich viele tolle und schwierige Situationen vor Augen. Letztens fragte mich mein Sohn, als wir an einem Obdachlosen vorbei gingen, ob der kein zu Hause habe. Ich frage mich, wir ich ihm die viele Armut, der wir dort begegnen werden erklären soll. Aber uns erwartet auch viel Freiheit, weniger Zeitdruck und viel Sonne. 

Wollt ihr für immer auswandern?

Im Moment bin ich ein Freund davon, mich auf kein genaues Datum festzulegen um weder mich noch andere zu enttäuschen. Wir werden sehen wie das läuft und wie es jedem von uns geht. Wenn es einem von uns Viern nicht gut geht, kommen wir sofort zurück. Wenn es uns gefällt, bleiben wir. Und wenn wir irgendwann genug haben, nicht mehr gebraucht werden oder es unsicher im Land wird, kommen wir auch. Das werden wir sehen.

Was macht ihr euch für Sorgen oder Gedanken?

Ach, da ist so viel! Welcher Kindergarten, welche Schule? Werden die Kinder gut ankommen? Werden wir Freunde finden? Werden wir uns wohl fühlen? Was, wenn wir schlimme Krankheiten bekommen? Werde ich dort noch ein Kind bekommen können? Wie schlimm wird das Heimweh?

Ich hätte glaub ich am meisten Angst, dass etwas mit den Kindern ist und wir dort ärztlich nicht gut versorgt sind, geht euch das auch so?

Ja, manchmal schon… es ist ja ein Risiko, das sich nicht 100% weg reden lässt. Aber ohne Mut würde sich die Welt auch nicht verändern. Mir hilft es, zu recherchieren, dass es dort in der Hauptstadt, wo wir leben, tatsächlich gute Krankenhäuser, Kindergärten etc. gibt. Außerdem mag ich es, mich mit Familien zu unterhalten, die schon dort leben oder gelebt haben und an mein Auslandsjahr in Uganda zurück zu denken. Aus der Ferne sehen nämlich die meisten Situationen und Länder schlimmer aus als sie sind.

 

Wie finanziert ihr euch vor Ort?

In Äthiopien gibt es einfach viel weniger Geld als in Deutschland. Deshalb ist unser erster Schritt für eine gerechtere Welt, die Entscheidung uns komplett aus Spenden zu finanzieren. Nicht jeder kann machen, was wir machen, aber so kann jeder der will ein Teil davon werden. Mehr Infos dazu gibts auf unserer Website: http://das-addis-projekt.de 

Worauf freust du dich am meisten?

Auf das gute Essen, das Abenteuer, die wunderschöne Landschaft, die Gastfreundschaft, eine neue Sprache zu lernen und als Familie in einem ganz fremden Kontext zu leben. Ich glaube, wir werden uns dadurch näher kommen und uns noch einmal neu definieren.

Was wirst du am meisten Vermissen?

Meine Freunde und Familie! Alles andere kann man sich irgendwie neu anschaffen oder einen Ersatz finden, aber meine Freunde – also auch dich – kann niemand so schnell ersetzten. Niemand kennt mich so und ich habe dort erstmal keine Menschen außerhalb meiner eigenen Familie, bei denen ich mich sicher fühle.

Wirst du deinen Blog weiter schreiben?

Auf jeden Fall! Jetzt habe ich ja erst richtig was zu erzählen 😉 Ich möchte das unbedingt nutzten Leuten hier zu Hause ein Stückchen mitzunehmen, damit wir alle gemeinsam unseren Horizont erweitern.

Wie können deine Follower euer Abenteuer verfolgen?

Am Besten auf Instagram und auf dem Blog. Und wer sich entscheidet zu spenden, bekommt auch regelmäßig Newsletter. Wir freuen uns als Familie wirklich über jeden, der ein Stückchen von diesem Weg mit uns geht!
 

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich nie so selbstlos und mutig war oder sein werde, wie diese kleine Familie. Wie Sarah es auch eben geschrieben hat Finanzieren sie ihr Leben vor Ort aus Spenden. Ein Prinzip, was ich zu erst gar nicht fassen konnte. Aber ja, es gibt viele Menschen die eigentlich gerne etwas Gutes tun möchten aber es zeitlich nicht umsetzten können oder es körperlich nicht schaffen. Also wieso nicht monatlich einen kleinen Teil an Menschen abgeben die in die Welt hinaus gehen und das schaffen, wofür ich mir die Zeit nicht nehme.

Sarah und ich kennen uns seit wir 17 sind und ich freue mich wahnsinnig, dass wir unseren 30. Geburtstag in diesem Jahr noch gemeinsam feiern werde bevor Sarah großes Abenteuer beginnt. Das ein oder andere Tränchen wird bis dahin sicher noch verdrückt und ich muss mir noch mal überlegen wie ich Mats und Anton erkläre, dass ihre Freunde nach Afrika ziehen und wir sie nicht mal eben besuchen können. Afrika ist für die Löwen der Inbegriff von Größe und Entfernung. Wenn sie versuchen zu erfassen wie groß etwas ist kommt die Frage „Mama, ist mein Fuß so groß wie Aaaafrika“ oder „Ist die Fahrt so lang bis nach Aaaafrika?“.
Das sie unbedingt mal nach Afrika „laufen“ wollen, ist klar, seid sie erfassen können, dass da eigentlich alle für sie spannenden Tiere herkommen.
Ob wir es realisieren können die Elefanten und die Kesthkarans in Afrika zu besuchen steht noch in den Sternen. Ich bin gespannt.

Ich freue mich auf jeden Fall, dass Sarah uns auf ihrem Blog und ihrem schönen Instagram Kanal mit tollen Bildern und Geschichten versorgt und so mit auf ihre Reise nimmt.
Hier findet ihr schon ein paar Blogposts von Sarah zum Thema auswandern:

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3 Kommentare

  1. Antworten

    Liz van Veert

    27. April 2018

    Sorry, aber ich kann mich einfach nicht gegen diesen Missions-Gedanken wehren? Mit welchem Recht denken wir, einfach in einem afrikanischen Land aufkreuzen zu dürfen und diesen Ort zu einem „besseren“ zu machen? Wie würden wir es denn finden, wenn Äthiopier*innen zu uns kommen und anfangen hier mal „klar Schiff“ zu machen? So absurd ist der Gedanke nicht, denn auch wenn hier nicht Hunger und Armut herrschen, haben wir so viel „verlernt“, gerade im landwirtschaftlichen Bereich. Wieso nutzen wir alle nicht viel eher unsere Energie, um Ausbeutung und Ungerechtigkeit (die vorwiegend von uns Europäer*innen produziert wird!) zu stoppen? Dann ginge es auch vielen Entwicklungsländern besser ..

  2. Antworten

    Anne

    29. April 2018

    Hallo Liz,
    ich verstehe, was du meinst. Aber ich denke, es ist gut, wenn wir einander den Horizont erweitern. Afrikaner, die nach Deutschland kommen tun das für uns, und wenn Deutsche nach Afrika gehen, um den Leuten dort Perspektiven, Möglichkeiten, andere Denkansätze zu zeigen, dann ist Neues möglich.
    Zudem ist es doch für die Plattform, die z.B. Sarahs Familie in Deutschland hat, eine Möglichkeit sich selbst zu hinterfragen, in ihrem persönlichen Verhalten und der Nachhaltigkeit. Indem sie die Eindrücke vor Ort mitlesen und sehen können.
    Im Endeffekt ist es ja auch mehr als nur Mission von Mensch zu Mensch, als Christ geht man davon aus, dass Gott dort dient, wo wir dienen. Dass Herzen verändert werden, nicht nur Bankkonten. Und dass oft in den Herzen der Helfer auch viel geheilt und verändert werden muss und wird. 🙂
    Liebe Grüße,
    Anne

  3. Antworten

    Sarah

    29. April 2018

    Spannend… ich glaube, wir müssen verstehen, dass wir jmd nicht abwerten nur weil wir ihm helfen. Und zu “sagen wie das geht” haben wir nicht vor – es ist eher ein Fragen: “Wie sollen wir euch helfen?“ Und ja, da ist geschichtlich viel schief gelaufen… aber das heißt nicht, dass es in der Zukubft nicht besser laufen kann. Ich denke eher, dass viele von uns sich von den Fehlern (anderer) in der Vergangenheit lähmen lassen, die Zukunft zu verändern. Und natürlich, kann jeder von überall etwas zur weltweiten Gerechtigkeit beitragen. Ich glaube, es gibt nicht nur einen richtigen Weg. Aber dieser ist unserer.

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