Ein Gedanken Potpourri // Kinderwunsch nach Zwillingen

Ob ich noch ein Baby möchte werde ich im Moment super oft gefragt. Die richtige Frage wäre ja aber eigentlich, ob wir noch ein Baby möchten. Bei uns sind die Kinderverhältnisse ja etwas anders geregelt als bei vielen anderen. Wir sind beide selbstständig und kümmern uns schon von Anfang an gemeinsam um die Löwen. Bei uns arbeitet nicht der eine viel mehr und länger als der andere. Wir teilen das eigentlich ganz gut auf und so müsste auch jeder von uns Lust haben, den Alltag mit drei Kindern zu wuppen.

Ich kann mir vorstellen, dass die Babyfrage von Freunden und Bekannten sich gerade so häuft, weil unsere Lebensumstände sich verändert haben. Und tatsächlich könnte ich mir etwas ländlicher viel eher noch ein drittes Kind vorstellen. Genau wie ich es mir erhofft hatte, ist hier alles etwas entspannter. Viele unserer Alltagssituationen finden so einfach gar nicht mehr statt. Wie alle meine Synapsen auf Alarmmodus waren, wenn ich mit den Lütten durch die Schanze zu unserem Auto getapert bin. Fahrradweg links, Glasscherbe rechts, Achtung Ampel und bitte um Gottes Willen nicht auf Kinderhand Höhe gemütlich mit der Hand die Wand entlang fahren. Pipi Höhe, ihr wisst schon. Ich bin wirklich keine Übermama und mit vielen Dingen wirklich entspannt aber es hat mich einfach angestrengt immer alle Eventualitäten zu beachten und dabei noch den Verkehr, die Kinder und fünf Taschen im Blick zu haben.

Dazu noch ein drittes Kind? Auf keinen Fall!

Mittlerweile mache ich morgens, nachdem ich zehn Mal darum gebeten habe, dass die Herren sich in Schuhe und Jacke schmeißen, einfach die Haustür auf und sie sollen einfach schon mal ins Auto einsteigen. Klar, es liegt auch daran, dass die Jungs älter werden, aber es liegt auch daran, dass man einfach vor der Tür parken kann, dass Einkäufe kurz im Auto warten können, bis alle angekommen sind und erst später geholt werden können. Das hier vor der Tür keine viel befahrene Straße ist und im Sekunden Takt pöbelnde Fahrradfahrer direkt vor der Haustür lang brausen und vielleicht auch daran, dass ich dadurch entspannter bin.

Als wir noch im dritten Stock im Altbau gewohnt haben, da habe ich lieber zwei Babies im Maxi Cosi und den Wocheneinkauf auf einmal hoch geschleppt, als zwei Mal zu laufen.
Viele Alltagssituationen sind jetzt einfacher und das gibt mir irgendwie eine Ruhe, die ich mir auch erhofft hatte. Noch mal ein Baby in diesen neuen Umständen zu bekommen, das würde sich richtig gut anfühlen. Das schlafende Kind könnte ja einfach im Kinderwagen im Garten weiter pennen, oder eine Sandkiste im Garten bekommen. Purer Luxus quasi.

Aber und dies ist ein mittelschweres Aber: Es gibt natürlich noch so viel mehr Gründe die dafür oder dagegen sprechen. Ich wäge ab, er wägt ab, wir wägen ab und sind nicht entschlossen. Außerdem ist diese Sache mit dem Schwangerwerden ja auch keine programmierbare Sache, das läuft nicht auf Knopfdruck und Bestellung.

Ein bisschen Gedanken Pottpüree habe ich dazu mal in Worte gefasst:

-Wie schön es wäre, wenn die Löwen noch mal große Brüder werden
-Aber der Abstand dürfte auch nicht zu groß sein
-Ich wollte nie mehr als zwei Kinder haben
-Aber so einen kleiner Wurm in unserer Mitte fände ich schon süß
-Noch einmal bewusst neun Monate schwanger zu sein, das wäre schön
-Aber ich habe zwei gesunde Kinder,  vielleicht sollte ich das Glück auch nicht heraus fordern
-Noch ein Mädchen, das wäre süß
-Oder drei Brüder, auch `ne coole Gang
-Wir sind so schon oft an den Grenzen unserer Kapazität, wie sollten wir das noch wuppen
-Das würde schon werden
-Fünf Flüge zu bezahlen wäre schon krass, dann nur noch Urlaub mit dem Auto-Ostsee ist auch schön
-Ein drittes Kind wäre aber irgendwie auch immer außen vor mit Zwillingen als Brüder
-Was gibt es cooleres als zwei große Brüder?
-Würden wir das finanziell überhaupt schaffen und müssten wir dann nicht viel mehr arbeiten und hätten noch weniger Zeit für noch mehr Kinder?
-Wir genießen gerade die langsam steigende Freiheit, wie Kaffee im Garten während die Beiden spielen, das wäre dann erstmal vorbei
-Jede Nacht alle paar Stunden aufstehen und dann geht morgens um sechs das Löwenprogramm los?
– Ich bin ja noch jung, also könnten wir auch noch warten
-Aber dann wird der Abstand zu den Löwen noch größer
-Ich bin auch froh, wenn ich noch jung bin, wenn alle Kinder aus dem Haus sind, den Bonus will ich mir nicht verspielen
Jetzt kommt`s:

Stell mal vor es werden noch mal zwei!

Ernüchterung, Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Gefühlsduselei und Abwägungen. Entscheidet das nun eigentlich der Verstand, das Herz oder der Körper?

Ja, es ist Thema bei uns, aber es ist eine Entscheidung die alles verändern würde und deswegen wohl überlegt sein will. Oder eben gerade nicht und wir lassen es das Herz und den Körper entscheiden. Schicksal quasi. Ihr seht, eine Antwort auf die Frage gibt es für uns noch nicht, aber dafür umso mehr Gedanken die in meinem Kopf Samba tanzen!

Ich bin manchmal eher so, dass ich denken „einfach machen, einfach machen“ wie Bosse sagen würde. Aber, ganz richtig, sagt mein Mann, dass man dann aber auch fein mit den Konsequenzen sein muss und dann überlegt man doch wieder.
Da wir aber auch gerade noch auf einem anderen größeren Projekt rum denken, haben wir die Entscheidung erstmal vertagt. Vertagt um ein paar Monate oder vielleicht auch Jahre.

Aber wisst ihr, was ich auf keinen Fall möchte?

Ich möchte es bewusst entscheiden. Ich möchte entscheiden, ob wir es versuchen wollen. Ob es dann klappt ist ja noch mal eine andere Sache. Ich bin kein Freund davon, Dinge unausgesprochen zu lassen, bis sie verjährt sind oder schwere Entscheidungen so lange verschieben, bis sie sich irgendwie von selbst erledigt hat.
Ich möchte nicht in zehn Jahren denken, dass es jetzt zu spät ist und hätten wir doch mal… Nein, ich möchte mir dann sicher sein, dass wir das damals bewusst so entschieden haben. Ihr seht, oft reagiert hier die Vernunft und der Kopf. Aber dann ertönen wieder die Sambatrommeln und alle Gedanken tanzen wild durcheinander. Die Antwort ist für den Moment steht fest: ein klares Jein!

Die Fotos sind alle von Indra Ohlemutz

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4 Kommentare

  1. Antworten

    Steffi Pietruschka

    22. Mai 2019

    Wir hatten ähnliche Gedanken und haben uns gemeinsam für eine Nummer drei entschieden – auch nach Zwillingsjungs. Und was soll ich sagen – für uns die beste Entscheidung überhaupt. Die Jungs sind heute 4 geworden und vergöttern ihre 1,5 jährige Schwester. Wir haben einfach Glück. Es kam jetzt die Frage auf nach einem 4. Kind – und alle Gedanken, so wie sie in dem Blogpost stehen auch. Wir haben einige Zeit in uns gefühlt und für uns steht fest: wir sind vollzählig. Manchmal denke ich dann so: erstmal … . Wirklich ein toller Post, ich erkenne mich darin total wieder (nur das wir eh auf dem Land lebten, als die Jungs kamen)…
    Viele liebe Grüße
    Steffi

    • Antworten

      Lisa

      22. Mai 2019

      Danke dir für deine Worte Steffi. Eine gemeinsame Entscheidung dabei ist denke ich das Wichtigste. Beide müssen mit gehen und sich damit wohl fühlen. Bei uns ist keiner zu 100% einer Meinung, das mahct es schwierig 🙂

  2. Antworten

    mixmax

    22. Mai 2019

    Ich (Mama von dreien) kann das gut nachvollziehen, nach 2 Kindern hatten wir ähnliche Gedanken. Was mir geholfen hat: Diese beiden Blogposts (sorry für die Verlinkung!), der zweite war eine Reaktion auf meinen Kommentar damals unter dem ersten. Und wie gesagt, jetzt sind wir drei 🙂
    https://www.vonguteneltern.de/aller-guten-dinge-sind-vier/
    https://www.vonguteneltern.de/der-ideale-abstand-zwischen-geschwistern/

    Irgendwie ist es doch so: Wenn man drüber nachdenkt und dieses Gedankenchaos im Kopf hat, dann ist die Hälfte von einem ja schon beim „ja“, mindestens die Hälfte. Von der Vernunft her spricht ja eigentlich eh immer alles eher gegen Kinder (Geld, Zeit, Nerven…), Kinder sind doch nie eine Vernunftentscheidung. Und sind sie dann mal da, weiß man nicht wie es vorher war. Was ich auch als 3fach Mutter bestätigen kann: Man wächst mit seinen Aufgaben. Mit zweien war Chaos und Erschöpfung, genau so ist es mit dreien auch. Und ja, man hat nur 2 Hände für 3 Kinder, aber hey, die Kinder werden auch größer, eure Löwen sind auch aus dem gröbsten langsam raus. Und ja, es ist ein „Rückschritt“, wieder Windeln zu wechseln, aber andererseits genießt man das Baby auch ganz anders. Was schon schwer wiegt: Wird die Natur-Lotterie einem noch ein gesundes Kind schenken? Wir haben vorab besprochen, was wir an Untersuchungen machen, was wir mit eventuellen Ergebnissen tun würden, auch sehr ehrlich zu uns selbst. Das hier soll, auch wenn es so klingt, keine Überredung für ein drittes sein, auf keinen Fall. Jede Familie muss es selbst wissen. Es soll nur zeigen, dass es viele Gründe dagegen und dafür gibt und wahrscheinlich kaum eine Familie sagen würde „nee, also das letzte Kind hätten wir mal lieber nicht gemacht“. …Viel Erfolg bei der Entscheidungsfindung!

    • Antworten

      Lisa

      22. Mai 2019

      Danke dir für deine Worte! Wie recht du hast 🙂
      Mal schauen, was sich hier noch so tut 🙂
      Alles lIebe
      Lisa

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