Frei und wild // Auch als Mama!

Ich habe eine Freundin, die hat Kinder, die ein bisschen älter sind als meine. Als ich Mama geworden bin, war ihr ältester Sohn schon vier. Damals erzählte sie mir von ihrem Verlangen, ihre zurück gewonnene Freiheit gerade etwas auszuleben. Raus zu gehen, mal wieder zu tanzen, zu trinken und sich ein bisschen so frei wie früher zu fühlen.
Ich war damals ja nun gerade selber Mama geworden und war in einer ganz anderen Phase. Jetzt werden meine Löwen bald fünf und ich weiß genau, wie sie sich damals fühlte.

Wie in einer Parallelwelt

Ich liebe es Mama zu sein und unser neues, ländliches Leben gefällt mir meistens gut und trotzdem sehne ich mich im Moment manchmal nach Freiheit, Unabhängigkeit und den wilden Zeiten von früher. Vielleicht ist dieses Gefühl auch gerade so verstärkt, weil ich nicht mehr mitten drin wohne und die Frühlingsvibes in der Schanze jeden Tag spüre. Weil ich abends nicht das Fenster aufmachen kann und klimperndes Geschirr und die Gespräche vom Griechen unter uns höre, während eine laue Frühlingsluft mein Wohnzimmer durchströmt. Genauso sehr, wie ich es genieße hier im Garten zu sitzen und mit Freunden zu grillen, die Kinder bei Stockbrot am Feuer und wild durch den Garten flitzen zu sehen, genauso doll vermisse ich die pulsierende Stadt immer mal wieder. Na gut, vielleicht nicht ganz so doll. Ich genieße das Landleben eigentlich gerade sehr. Und trotzdem hat diese Veränderung in mir ausgelöst, dass ich mich manchmal wie eine Landmuddi fühle, die ich nie sein wollte. Ich bin ein Stadtkind und brauche das Leben um mich herum. Ich brauche es nicht unbedingt in meinem Garten und kann mir dieses Gefühl auch anders schaffen. Ich möchte das Landleben hier auch gerade gar nicht missen. Es ist eher wie ein Verlangen in oder nach einer Parallelwelt.

Meine Mama Akkus laden

Ich habe das Gefühl, meine Mama Akkus brauchen das. Manchmal einfach so unterwegs zu sein, sich nicht wie eine Mama zu fühlen, sondern einfach nur wie ich. Wie Lisa. Wie früher. Auf Konzerte gehen, tanzen und in die Nacht reinleben. Vor der Bar an einer Straßenecke stehen und bei einem tiefsinnigen, etwas angetrunkenen Gespräch ein Bierchen zischen. Darüber sinnieren, ob man hier bleibt, noch weiter zieht oder ins Bett geht.

Freunde treffen und das Wetter auch ohne Kinder genießen. Gespräche zu Ende führen und doch weiß ich, dass es nie so sein wird wie früher und das ist auch gut so. Ich werde das Bier nicht so genießen können, denn ich weiß, dass der Tag danach nicht verkatert im Bett oder bei einer Serie auf dem Sofa stattfinden wird. Ich weiß, dass ich am nächsten Tag auf dem Boden im Kinderzimmer sitze und Türme aus Kappla Steinen baue, um dann dort die Schleichtiere zu platzieren. Und das Beste ist: ich weiß das diese Momente so viel mehr wert sind, als das Partybier an der Straßenecke.

Ich möchte mich ernst nehmen

Ich glaube auch nicht, dass dieses Gefühl und die Sehnsucht nach wilden Momenten und Freiheit meine Familienmomente und mein Leben auf dem Land in Frage stellt. Nein, da bin ich mir ziemlich sicher.
Es ist eher ein Verlangen in einer Parallelwelt, was ich trotzdem ernst nehmen möchte. Denn ich möchte mich ernst nehmen und ich bin mehr als nur Mama und Ehefrau. In mir ist immer noch die wilde Abenteurerin und auch die braucht Futter. Da mein Mann mich ja bekanntlich vor meinen Kindern kannte, sieht er dieses Verlangen und unterstützt mich da zum Glück. Er sieht, dass ich diese Abende mit Freunden einfach brauche und das meine Mama Akkus wieder lädt. Denn nach solchen Momenten kann ich auch mein Familienleben wieder in ganzen Zügen genießen.

Die letzten Jahre stand mein Mama-ICH immer an erster Stelle und das wird auch so bleiben aber das ICH dahinter, welches noch andere Bedürfnisse hat, das wird gerade wieder lauter und das finde ich richtig und gesund.
Diese ersten richtig warmen Tage haben in mir auf jeden Fall große Lust ausgelöst. Lust auf eine richtig gute Mischung aus tollen Ausflügen und Gartenmomenten mit meinem Jungs und ein paar wilden Sommermomenten nur für mich. Auf gute Gespräche bei einem Bierchen mit den Füßen im Elbsand und die eine oder andere Partynacht bei guter Musik und Hüftschwung. Und ich freue mich über diese Freiheit wieder beides ausleben zu können! Also 2019 auf geht´s!

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