Welches Nein muss sein? Ein Erziehungs-Dilemma.

Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich auf Teufel komm raus, ein gesagtes Nein durchsetzten will und mich währenddessen frage, warum ich überhaupt nein gesagt habe. Hätte ich geahnt, dass dieses Nein zu einem Joghurt vor dem Abendbrot eine halbstündige lautstarke Jammer- und Schreiphase mit sich bringt, hätte ich heute vielleicht lieber Ja zu diesem Joghurt gesagt.

Aber jetzt habe ich ja schließlich einmal Nein gesagt und kann jetzt auch nicht plötzlich wieder umschwenken, dann hätte das Kind ja gewonnen und würde mein Nein eventuell beim nächsten Mal nicht ernst nehmen. Jetzt muss ich dabei bleiben, sonst denken die Jungs, sie könnten ihren Willen mit jammern durchsetzten. Oh man, wo habe ich mich denn hier rein manövriert.

Nicht nachgeben?

Ein Erziehungs-Dilemma wie er im Buche steht. Nicht nachgeben, nur weil das Kind jammert. Ja, das habe ich gespeichert, aber wenn ich es mir während des Jammerns anders überlege, weil es mir diesen Aufstand nun wirklich nicht wert ist, was dann?

Und nun sind wir auch noch zu zweit. Da kommt der nächste Codex zum Einsatz. Die Eltern sollten sich vor den Kindern einig sein. Das haben wir uns vorgenommen. Selbst wenn mal jemand anderer Meinung ist, sollten die Kinder das nicht mitbekommen. Wenn Mama Nein zum Joghurt sagt und Papa dann mit einem „Warum denn nicht, lass sie doch“ um die Ecke kommt, ist das sicherlich nicht so gut für alles was noch so kommt. Jetzt geht es um einen Joghurt, aber wenn es dann um Fernsehen oder Schlafenszeiten geht, möchte ich nicht, dass die Jungs uns gegeneinander ausspielen. Ich möchte mit ihm eine Einheit sein. Wir sind die Eltern, gemeinsam und nicht Mama gegen Papa.

Also kommt es bei uns regelmäßig vor, dass wir, ist erstmal ein Nein ausgesprochen, nonverbal versuchen bei dem Anderen raus zu finden, ob er das genauso sieht oder man vielleicht doch nachgeben könnte. Mein Herzmann ist da noch etwas strickter als ich und sieht mich dann ermahnend von der Seite an. Er brauch es gar nicht sagen, ich sehe es schon.
„Du hast doch nein gesagt“.

Eine kleine Lösung dafür oder vielleicht eher ein Mantra an das ich mich immer im richtigen Moment erinnern muss ist die Frage, welches Nein muss sein?
Oft hüpft mir das Nein zu schnell über  die Lippen, ja sogar manchmal automatisch.

Öfter mal „Ja“ sagen

Ich muss mich zwingen etwas inne zu halten und zu überlegen. Wieso eigentlich kein Joghurt jetzt?
Dann kann man auch viel besser bei der Entscheidung bleiben. Das ist im Geschehen oft gar nicht so leicht, aber lässt mich die kleinen und großen Wutausbrüche die aus meinem Nein resultieren besser nehmen. Also sollte ich vielleicht viel öfter Ja sagen, wenn es um etwas geht, dass mit eigentlich nicht so wichtig ist und die wirklich ernst gemeinten Nein´s dann gezielter einsetzten. Denn ich möchte, dass mein Nein Gehör bekommt. Ich möchte nicht über alles diskutieren, wenn ich Nein gesagt habe, dann soll es auch so sein.

Das klingt jetzt streng und irgendwie hart. Aber ich glaube, dass man sich damit vieles einfacher macht. Ich sage oft Ja, nehme die Sachen nicht so genau und mache Spaß mit den Löwen. Das kann ich aber nur, wenn ich mich auf der anderen Seite dann auch auf ein Nein verlassen kann.
Meine Mutter sagt immer, dass jetzt gerade die erste entscheidende Erziehungsphase ist und wir deswegen jetzt da durch müssen. Das ist hart.

Im Moment testen die Jungs so sehr aus, wo unsere Grenzen sind. Immer und immer wieder. Manchmal bin ich dann einfach nicht stark genug ein Nein durchzuhalten.
Deswegen überlege ich nun öfter, welches Nein muss sein?
Denn dann machen die Ja´s auch viel mehr Spaß!

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2 Kommentare

  1. Antworten

    katja

    30. April 2017

    kenn ich nur zu gut. gerade, wenn es eskaliert und man sich denkt „boah das war es jetzt echt nicht wert“ habe allerdings auch den eindruck, dass dieses thema dann oft auch fuer die zukunft abgeschlossen ist (wobei, es wird bei uns nach wie vor fast taeglich nach eis um halb 7 uhr morgens gefragt). wenn ich nein sagen will versuch ich meistens das nicht zu tun und biete einfach gleich optionen an, a la „du kannst gerne jogurt zum nachtisch essen“. hab den eindruck dass er jetzt auch selbst auf diese art nach loesungen sucht, wenn ihn meine antwort (bzw mein nein) auf irgendwas frustriert.

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