Wie wollen wir leben – ein Haus in Hamburg

Wir sind deprimiert. Aber sowas von. Das Thema Umzug und Eigentum beschäftigt uns täglich. Wir wühlen uns durch Anzeigen und Exposés. Dabei schrauben wir immer wieder an den Suchkristerien wie Budget und Entfernung. Aber so richtig glücklich macht uns nichts.

Eines meiner absolutes Lieblingslieder ist „City Blues“ von den Beginnern. Ich errinnere mich an meine Jugend, fühle mich verbunden und lokalpatriotisch. Hamburg.
Aufgewachsen bin ich mit meiner  Mutter in der Schanze und auf St. Pauli. Mit meinem Papa in Schleswig Holstein und später in Eppendorf. Zu Schule gegangen bin ich in Eimsbüttel und Hoheluft.
Und gewohnt habe ich dann in Ottensen, St. Pauli und lebe nun wieder in der Schanze.

Hauptsache zentral

Das sind meine Viertel, die kenne ich. Die liebe ich. Da habe ich eine Vorstellung, wie das Leben läuft. Ich bin bisher mit meinem Herzmann zweimal umgezogen. Da war nie die Frage, wo ganz genau man wohnen möchte. Irgendwo in diesen Vierteln, hauptsache eine schöne Wohnung. Einen großen Einfluss auf den Alltag hätte es nicht gehabt ob man nun in Eimsbüttel oder Altona wohnt. Wie wir wohnen wollen war daher nie eine Frage. Wir sind beides Stadtkinder.
Ich hatte immer die Vorstellung, dass meine Kinder eine ähnliche Kindheit haben werden, wie ich sie hatte. Und so ist es bisher auch. Wir hängen auf den selben Spielplätzen rum wie ich früher und gehen in den gleichen Sportverein. Das fühlt sich irgendwie gut an. Ich fühle mich sicher. Meine Freunde sind hier, meine Familie wohnt nicht weit.
Und trotzdem verschiebt sich meine Perspektive gerade total. Mir fallen in diesen besagten Vierteln so viele traumhafte Ecken ein in denen ich gerne wohnen würde, aber da wir leider kein Glück im Lotto spielen haben, können wir uns dort nicht niederlassen.
Wir wohnen nämlich gerade in einer ziemlich großen Wohnung mit ziemlich niedrigem Quadratemeterpreis, also könnten wir wohl nicht mal zur Miete woanders wohnen, wenn wir die Wohnungsgröße beibehalten wollen. Da wir aber vier Menschen sind und auch noch von Zuhause arbeiten, brauchen wir den Platz auch einfach.

Am liebsten würde ich in einem muckeligen Hinterhof wohnen. In Ottensen oder Eimsbüttel. Ich liebe auch die Wohlersallee oder die Annenstraße auf St. Pauli, aber ein Leben mitten in der Schanze, muss ich mit den beiden Löwen einfach nicht mehr haben. Mitten im Touri und Partyleben. Mit Galsscherben beim Bötchenholen und Touristengruppen die die Gehwege blockieren. Wo man als Anwohner keinen Parkplatz findet, weil gerade die Sonne scheint und alle zum flanieren mit ihrem Porsche in die Schanze kommen.

Oder doch ein Haus auf dem Land?

Unser Budget treibt uns auf der Suche allerdings immer weiter nach draußen. Also gedanklich. Wir stoßen da auf Stadtteile wie Lurup, Eidelstedt, Rahlstedt, Langenhorn oder Sasel und stellen fest, dass diese Stadtteile für uns alle keinerlei Gesicht haben. Wir sind in Hamburg groß geworden aber ich war zum Beispiel noch nie in Lurup. Klar, warum auch. Hier im Zentrum hat man ja alles was man braucht. Und für mich ist die Vorstellung nicht richtig drinnen und nicht richtig draußen zu wohnen irgendwie auch komisch. Wenn man in Langenhorn wohnt, sollte man nicht dann lieber den Schritt machen und ganz in die Natur ziehen? Wo man die Vorteile des Landlebens voll und ganz genießen kann?

Da ich es selber nie erlebt habe, fällt es mir unglaublich schwer mir vorzustellen wie mein Leben mit den Kindern im Alltag dann aussehen würde. Muss ich sie überall hinkutschieren, weil es keine guten Verbindungen zu ihrem Sport oder ihren Freunden gibt? Freunde muss ich dann die nehmen die ich kriegen kann, weil die halt gerade da sind? Und sind wir dann nicht tierisch einsam? Wahrscheinlich ist man automatisch viel mehr auf sich und seine Familie fixiert, weil die spontanen Verabredungen zum Kaffeetrinken und Spielplatzdates nicht machbar sind.  Aber will ich das?

Nein, eigentlich nicht. Mir würde auch ein Wochenendhaus mit Garten reichen und für den Alltag bleibe ich lieber etwas zentraler.
Da wir Altona und Elbkinder sind würden wir gerne im Hamburger Westen bleiben. Zu Beginn unserer Suche hätte ich schwören könnnen, dass wir mit unserem Budget Bäume ausreißen können. Mittlerweile bin ich nur noch deprimiert. Da will man schon so viel Geld inverstieren und es reicht trotzdem nicht. Sind unsere Ansprüche zu hoch? Nützt es zu warten oder sollten wir unseren Traum aufgeben?
Gerade heute waren wir wieder unterwegs und haben uns was angeguckt. Und haben uns verliebt. In das Haus, in die Lage und in die Vorstellung dort zu leben. Das Haus wird leider im Gebotsverfahren verkauft und da es immer jemanden gibt der bereit ist mehr Geld ausgeben, sehen wir unsere Chancen gleich null. Aber da haben wir es gemerkt. So wollen wir wohnen.
Keine Komprosmisse, es muss sich richtig anfühlen!

Auch wenn ich weiß, dass wir für dieses Haus keine Chance haben, bin ich gerade glücklich. Denn ich weiß jetzt, wie ich leben möchte und kann gezielt danach suchen.
Bisher ging unsere Suche nämlich vom Bauernhaus im Alten Land über die Eigentumswohnung in Ottensen und immer wieder haben wir alles hinterfragt. Schluss damit!

Jetzt heißt es Augen und Ohren auf und die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich etwas ergeben wird wenn es so sein soll.
Wo es unser Herz hinzieht berichte ich euch in den nächsten Tagen hier.

Schlagwörter: ,

DAS KÖNNTE DIR AUCH GEFALLEN

EINEN KOMMENTAR SCHREIBEN