Duschgedanken // Urlaub ohne Jammerberechtigung

Seid fast sieben Wochen sind wir jetzt im wundervollen Griechenland auf den Kykladen. Bisher haben wir mit unseren 9 Monate alten Zwillingen Mykonos und Paros bereist und sind jetzt auf Naxos.

Und ich bin urlaubsreif!

Mit zwei so kleinen Löwen „Urlaub“ zu machen, habe ich mir irgendwie unkomplizierter vorgestellt. Die letzten Wochen haben wir gemerkt, dass die Zeit hier vielmehr eine Alltagsbewältigung unter erschwerten Bedingungen ist, als eine erholsame Auszeit. „Windeln wechseln und Brei geben können wir auch in der Sonne“, haben wir immer so dahin gesagt, als uns im Vorfeld viele Leute als besonders mutig und abenteuerlustig bezeichnet haben.

Unsere Reise begann allerdings schon mit der ersten, richtig fiesen Erkältung der Löwen. Dazu der Klimawechsel und die Aufregung über all das Neue, und an einen entspannten Start war nicht mehr so wirklich zu denken.

Ich schätze 90% der Zeit verbringen wir mit Alltagsbewältigung. Hier müssen wir zusätzlich zu dem „normalen Wahnsinn“ mit zwei kleinen Babys, noch gucken, wo wir unsere Wäsche waschen, einkaufen, welche Babynahrung wir nehmen und wie wir auf zwei Quadratmetern Brei kochen und abwaschen können (momentan machen wir das im Waschbecken des Badezimmers).
Es ist für uns nicht easy peasy mit den Jungs am Strand rumzuhängen oder die Insel mit dem Auto zu erkunden. Welches neun Monate alte Baby findet Autofahren bei 30° schon super? Und wenn wir uns dann endlich soweit organisiert haben, mit Sack und Pack an den Strand zu gehen, steht die Sonne meißt am höchsten und der Breihunger ist am größten.
Die Nächte sind außerdem so unruhig wie eh und je. Das macht alles natürlich noch anstrengender. Zwischen fünf und sechs Uhr morgens wird quietschvergnügt im Bett geturnt und in mein Gesicht gepatscht. Abends, wenn man eigentlich direkt um acht mit ins Bett fallen möchte, genießen wir das kurze Gefühl von Urlaub mit einem Wein und einer Partie Backgammon auf der Terrasse. Diese Momente sind so wichtig, denn bei all den Herausforderungen kommen auch mein Herzmann und ich manchmal an unsere Grenzen und wir zicken uns für Dinge an, für die keiner was kann, nur weil wir so erschöpft und mit den Kräften am Ende sind.

Manchmal, wenn wir gerade einen dieser ruhigen Moment haben, Fragen wir uns, ob wir zu anspruchsvoll sind. Ob unsere Erwartungen zu hoch oder unsere Kapazitäten einfach zu klein sind, um neben dem organisatorischen auch noch einen ganz entspannten Urlaubsalltag hinzubekommen. Ob es wohl anderen Eltern auch so geht? Und wie wäre das alles, wenn wir nur einen kleinen Knirps hätten. Oder haben wir einfach die falsche Reisezeit gewählt? Die erste Zähne haben gerade ihren Weg gefunden, die erste richtige Krankheit wurde bewältigt, stehen wird fleißig geübt und jetzt sind wir mitten drin in der ich-entdecke-meinen-Willen-Phase. Ai ai ai.

Essengehen in einer kleinen, netten Taverna am Strand. Ja, das wäre schön, haben wir auch mehrmals versucht. Und jedesmal abgebrochen. Wenn die Löwen nämlich im Tiefschlaf sind und der Kinderwagen aufhört zu ruckeln, dauert es maximal eine halbe Stunde bis der erste aufwacht. Wenn der wieder schläft, wacht garantiert der nächste auf. Löwengebrüll hallt in den kleinen Gassen der griechischen Städtchen ganz besonders weit und kündigt uns schon von weitem an.

Auf Paros war meine Mama zwei Wochen zu Besuch. Da haben wir die Lütten dann beim Essengehen viel auf dem Schoß gehabt, so konnte wenigstens einer in Ruhe essen, ohne den Teller mit ständigem Körpereinsatz vor den kleinen, neugierigen Händen zu retten.
Die Zeit zu fünft war für uns eine riesen Erleichterung.
Jeder konnte mal kurze Pausen zum Energie tanken einlegen und ich bin sogar ab und zu ins Meer gehüpft. Ein Luxus, der zu zweit mit den Lütten nur mal ganz kurz möglich ist, denn die Jungs sind gerade in einem ganz neuen Ausmaß betreuungsinstensiv. Anton versucht sich überall hochzuziehen, hat das mit dem Abstützen aber noch nicht ganz raus, und Mats klettert wie wild auf Sonnenliegen, auf den Bruder oder auf die Stühle der Nachbarn. Da wäre man manchmal gerne eine Krake mit acht Armen. Die helfende Hände von „Omama“ waren schon mal ein Anfang, bis ich die Krakenarme habe. Es war toll, meine Mama hat neue Energie mitgebracht und wir konnten die zwei Wochen echt genießen. Die Zeit hat allerdings auch Zweifel geschürt. Wie sollen die letzten Wochen der großen Fahrt nur werden wenn wir wieder nur Mama, Papa und die Löwen sind, und meine Güte, wieso sind wir nur die ganze Zeit so angestrengt? Andere schaffen das doch auch!

Das hier nicht alles eitel Sonnenschein ist und wir viele stressige, nervige und mega anstrengende Momente haben, traut man sich auf die „na, wie ist es?“ Frage irgendwie gar nicht zu antworten. Jeder erwartet, dass man positiv und erholt, all die tollen Geschichten und Erlebnisse berichtet. Wenn man jetzt jemandem von der Schwierigkeit der Urlaubssituation berichtet, der zuhause bei Regen im Büro sitzt, fühlt man sich irgendwie als hätte man keine Jammerberechtigung. Wir waren ja schließlich zwei Monate im Süden und haben die Seele baumeln lassen. Dann müssen wir doch erholt sein….

Andere schlaue Menschen und manche Eltern würden uns vielleicht als naiv bezeichnen, weil wir so leichtgängig an die Sache rangegangen sind. „Das hätte man sich ja vielleicht denken können, dass es anstregend wird, mit zwei kleinen Babys zu Backpacken.“ Ja, vielleicht. Aber ich würde es immer wieder so machen. Immer wieder möchte ich testen was als kleine Familie alles möglich ist, auch wenn es anstrengend ist und andere uns davon abraten würden. Vielleicht würden wir im nachhinhein ein paar Dinge anders planen, aber die Reise von Anfang an auszuschließen, weil es mit den Löwen vielleicht zu anstregend werden könnte, kann ich mir absolut nicht vorstellen und missen möchte ich all die schönen Momente und Erinnerungen der Reise auf keinen Fall. Die ersten Begegnungen von Meerwasser und Mund, die Löwen voller Wassermelone am Strand und die kleinen, sandpanierten Füße im Sand, so schön!

Jetzt sind wir durch all die kleinen und großen Schwierigkeiten des Alltags hier super gewappnet für Zuhause. Wo man einfach so, ganz selbstverständlich, alles hat was man braucht und wie man es braucht. Das wird wie Urlaub 🙂

Außerdem haben wir den Blick aufs Meer getankt und kommen braungebrannt nach Hause, wo der Sommer gerade erst beginnt.
Hallo Sommer, wir sind jetzt in Übung!

Diesen Beitrag habe ich mit ein Paar Instagram-Eindrücken der Reise geschmückt.

 

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3 Kommentare

  1. Antworten

    stoneathome

    20. Juni 2015

    Weiter so, ihr macht das großartig. Die Löwen wachsenn und ihr mit ihnen. Die Herausforderungen sind groß und ihr wachst mit ihnen. Was willst du denn ins Erinnerugskästchenn packen, wenn du dich nix traust? Was auf der Hochzeit der Löwen für peinliche Andekdoten berichten, wenn alles nur „normal“ ist. Und, ich bin gewiss, das Anstrengende dieser großen Fahrt wird verblassen…Jahr um Jahr und die tollen Ereignisse, die vielen ersten Male…an die werdet ihr euch erinnern.
    Bedeutet Leben nicht das Sammeln von schönen Momenten, schönene Orten, schönen Erinnerungen…und manchmal führt der Weg mit dunklen Augenrändern durch schlaflose Nächte…und dann darf man jammern. Und sich mit neuer Kraft und den gesamelten Erfahrungen in weitere Abenteuer zu stürzen. Weiter so, ihr macht das großartig.

  2. Antworten

    Sylke

    20. Juni 2015

    Oh nein Lisa,

    Ihr seid nicht blauäugig oder naiv. Ihr seid klasse. Unkompliziert und das auch im Umgang mit den Löwen. Ich finde das super.

    Es kann Euch vorher KEINER sagen wie es wird. Willst Du die bequeme Variante nehmen, vielleicht in einen Club fahren, wo es dann Kinderbetreuung schon für die Kleinsten gibt. Für mich ein Graus, für viele andere Urlaub.
    Da sind die Menschen ja Gott sei dank unterschiedlich.

    Doch ihr werdet in einem halben Jahr sicher hauptsächlich die schöneren Momente der Reise im Kopf haben. Außerdem war es der erste Trip mit den Löwen. Es werden sicher noch mehrere folgen. Jedesmal wird es anders sein, aber es wird für Euch und die Löwen eine wunderbare Erfahrung sein.

    Die Zeit vergeht so schnell, nun sind die Löwen schon 9 Monate alt. Wie das wohl im nächsten Jahr wird. 😉 ?

    Ganz liebe Grüße, ach der Sommer ist hier noch nicht angekommen

    Sylke

  3. Antworten

    Franziska

    26. Juni 2015

    Hej, danke für deinen grundehrlichen bericht. Ganz genau so haben wirs auch empfunden. Und doch würd ich es wieder genau so machen.
    Mini-me ist jetzt drei. Wir sind seit er zwei wochen alt ist mit unserem büschen on tour. Viele freunde können es sich kaum vorstellen so einfach während wochen unterwegs zu sein. Und weisst du was mini-me sich wünscht? Mama ich möchte mal reisen gehen. Das mit dem bus sind nur ferien…
    Geniesst es und das was ihr euch und euren kindern mit dem reisen mitgebt macht euch zu wunderbaren offenen menschen. ☆♡Licher gruss von einem weekend kurz tripo

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