Duschgedanken // Selbstständigkeit -Von Beruf Feuerwehrmann

Ich fühle mich wie ein Feuerwehrmann, also ein weiblicher. Denn beruflich lösche ich Brände. Ich eile von Brand zu Brand, um das Feuer zu löschen und haste dann zum nächsten Feuer. Zeit, um die Asche zusammen zu fegen oder alles aufzuräumen, habe ich aber nicht, denn ich bin schon auf dem Weg zum nächsten Brand.

Ich verhindere, dass alles unter den Flammen zusammenbricht. Ich sende noch schnell die Mail, halte mich an den Abgabetermin, schicke noch schnell die Bestellungen raus oder vereinbare Drehtermine. Alles noch schnell erledigt und sobald ich denke, ich könnte mich jetzt mal daran machen, Dinge abzuarbeiten, aufzuarbeiten und neue Ideen umzusetzen oder gar zu entwickeln… lodert irgendwo wieder ein Feuer und ich hechte mit dem Wasserschlauch in der Hand los.

Ich habe das Gefühl, ich kann nichts voran bringen und habe die ellenlange Todo-Liste immer im Nacken sitzen. Eigentlich läuft alles… aber in meinem Kopf sieht es aus wie auf einem Recyclinghof. Brach liegende und nicht zu Ende geführte Gedanken und Todos. Ideen und Ansätze die ich nicht weiter verfolge oder umsetze. Das ist echt stressig und frustrierend – eine Arbeitsweise die ich so nicht weiter machen möchte.
Ich arbeite ja quasi an vier kleinen Unternehmen gleichzeitig, da ist es echt schwer zu priorisieren, denn irgendwo brennt es immer. Und während es woanders lodert, kann ich mich auch nicht hinsetzten und vermeintlich unwichtige Dinge tun, um mich danach innerlich aufgeräumter zu fühlen.
Ich muss mir da tatsächlich mal einen Plan überlegen, denn so komme ich von meinem Stresspegel im Arbeitsalltag gar nicht mehr runter.

Mein Arbeitsplatz

Anfangen müsste ich wahrscheinlich mit meinem Arbeitszimmer, wo ich mich zwischen der Nähmaschine, den Bastelsachen für den Blog, meiner Steuer und allem was sonst noch keinen Platz in der Wohnung hat nur schwer auf irgendwas konzentrieren kann. Deswegen schnappe ich mir auch oft meinen Laptop und sitze am Wohnzimmertisch. Ist aber irgendwie auch keine optimale Lösung. An der wohnlichen Optimierungsfront ist allerdings gerade Stillstand, weil wir immer im Kopf haben, dass wir ja vielleicht bald umziehen. Ich versuche mich also erstmal mit aufräumen über Wasser zu halten oder sitze weiterhin an den ruhigen Plätzen der Wohnung. So wie ich jetzt gerade das Chaos von gestern Abend in der Küche, das bespielte Wohnzimmer von heute morgen und das grundlegende Arbeitschaos im Büro ignoriere und mich mit einem Kaffee und dem Laptop einfach wieder ins Bett verkrümelt habe. Unser Schlafzimmer ist nämlich das Zimmer mit den geringsten Ablenkungsmöglichkeiten. Dazu auch noch so gemütlich… so im Bett zu arbeiten. Ein Luxus, den ich mir als Selbstständige viel öfter leisten könnte, wenn mein Mann die Löwen in die Kita bringt.

Projekte als Selbstständige

Ich arbeite an vier Selbstständigkeiten gleichzeitig und merke wie sich mein Fokus immer mehr verschiebt. Angefangen hat alles mit meinem Handmade Label „Steinkopf“ das ich vor 6 Jahren gegründet habe. Dort verkaufe ich Mützen und Schals, die ich in einer Behindertenwerkstatt fertigen lasse oder selber nähe. Verkauft werden die dann in meinem Onlineshop, in Läden und auf Designmärkten. Dazu kam ca. ein Jahr später mein eigener Designmarkt „feingemacht“ den ich einmal im Jahr durchführe. 120 Aussteller, 5000 Besucher, also ein ganz schön dickes Ding. Im letzten Jahr haben wir den Markt nicht durchgeführt und für dieses Jahr steht die Entscheidung noch nicht ganz fest. Die Organisation macht mir richtig Spaß, legt mich aber in der heißen Phase auch für alles andere lahm und setzt mich ganz schön unter Druck.
Seid knapp 3 Jahren blogge ich nun hier und merke, dass meine Leidenschaft sich voll und ganz auf den Blog konzentriert. Ich kann mich mit Themen beschäftigen, die mich interessieren und ich entwickele mich so stark weiter. Ich arbeite mich in Themen ein, die ich nie gelernt habe und es fühlt sich großartig an, so gutes Feedback von euch zu bekommen.
Mein viertes Projekt setzte ich gemeinsam mit meinem Mann um. Vor zwei Jahren hat auch er sich selbständig gemacht und wir haben gemeinsam „Steinkopf Media“ gegründet. Eine kleine Produktionsfirma für maßgeschneiderte Videos wie Eventfilme, Portraits, Image- oder Produktfilme. Mein Mann ist Mediengestalter und war vor den Löwen festangestellt.
Für unsere Familienzeit haben wir uns aber entschieden, dass er sich selbstständig macht und wir gemeinsam eigene Filme umsetzten. Ich übernehme dann allerlei Aufgaben, in die ich so langsam reinwachse. Im Vorfeld kümmere ich mich um Kontakte, Kalkulationen und Inhaltliches. Ich bin quasi Redakteurin und kümmere mich außerdem vor Ort noch um das Styling, mit dem Blick für schöne Bilder. Das macht mir mega Spaß und wir sind echt ein gutes Team.
Ich liebe es so eng mit ihm zusammenzuarbeiten. Auch bei „Steinkopf“ und dem „feingemacht“ sind wir mittlerweile ein Zweiergespann und löschen die Brände gemeinsam.

Leidenschaft und Zukunft

Das klingt alles nach ganz schön viel, was wir da versuchen zu wuppen. Nicht zu vergessen, dass wir keine 40 Stunden Woche mehr haben und unser Hauptinteresse ist, viel Zeit mit den Löwen zu verbringen und unseren Familienalltag gut hinzubekommen.
Nüchtern betrachtet müsste ich wohl ein oder zwei Projekte aufgeben, mich voll auf die anderen konzentrieren, so meinen Stresspegel senken und insgesamt etwas zur Ruhe kommen.
Das ist aber gar nicht so einfach, es ist ja nicht so, als ob man einen Nebenjob kündigt.
Es geht darum Projekte auf Eis zu legen, in die ich viele Jahre Zeit, Energie und Herzblut gesteckt habe. Die ich aus dem Nichts realisiert habe und  womit ich Geld verdiene.
Ich fühle mich im Moment irgendwie ziellos und unfokussiert. Klar, wenn ich überall nur schnell das Nötigste erledige, weil für anderes keine Zeit ist, habe ich auch keine Ruhe mal darüber nach zu denken, was ich eigentlich will. Wo es hin gehen soll und wofür ich meine Energie einsetzten möchte.
Begleitet natürlich immer von der Angst, nicht zu wissen ob das Geld reichen würde, wenn ich mich entscheide an ein oder zwei Stellen kürzer zu treten. Einen großen Puffer auf dem Konto haben wir nämlich nicht.

Struktur im Arbeitsalltag

Ich bin eigentlich super strukturiert. Ich habe Todo- Listen und Bücher, Wochenpläne und Jahresplanungen. Ich fange mit dem wichtigsten der Todo-Liste an und arbeite mich dann daran entlang. Im Moment überlege ich aber, ob ich mir meine Wochentage und Stunden nach Projekten einteilen sollte. So würde wahrscheinlich jedes Thema auch dann den Raum bekommen, den es braucht, wenn an anderer Stelle mehr zu tun ist. Ich meine damit so etwas wie, jeden Morgen eine Stunde Mails und Telefonate, dann 4 Stunden arbeiten an Projekt X und am nächsten Tag dann Projekt Y. Und vielleicht ein Wochentag der als Puffer frei bleibt für alles was ich nicht geschafft habe oder ganz dringend ist. Es gibt allerdings immer so viele Termine und Besonderheiten die meine Woche aus den Fugen des geordneten Arbeitsalltags reißen, dass das wahrscheinlich schwer umsetzbar wäre. Könnte ich aber mal probieren. Fest steht auf jeden Fall, dass mein Mann und ich jetzt ein Montagsmeeting zur Wochenplanung eingeführt haben, um gleich zu Beginn zu strukturieren und zu priorisieren. Das finde ich schon mal super.

Ich merke, wie gut es tut, mich mit dem Thema zu beschäftigen, auch wenn ich momentan noch keine Lösung für mein berufliches Dilemma habe. Ich werde wohl noch etwas Feuerwehrmann bleiben, den Wasserschlauch fest in der Hand.
Ich denke der erste Schritt ist es, darüber nach zu denken und sich dessen bewusst zu sein, dass es auf Dauer so zu viel ist.
Ich halte mich momentan noch damit über Wasser, dass mir die meisten Aufgaben und Arbeitsinhalte meiner Projekte einfach super viel Spaß bringen. Ich werde die nächsten Monate versuchen, mich besser zu strukturieren und die Zeit die ich habe, so effizient wie möglich zu nutzen.

Jetzt habe ich mal was gemacht, was ich wirklich seltend mache, meinen Gedanken freien Lauf gelassen. Nur Gedanken, ohne die Lösung, ohne Tipps und ohne etwas Nützliches was ich euch an die Hand geben kann und ich bin echt gespannt wie euch das gefällt.

 

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2 Kommentare

  1. Antworten

    Franzi(tulpenimherzen)

    18. Januar 2018

    Liebe Lisa, so ein toller Beitrag den ich auch ohne die „Lust und Last“ einer Selbstständigkeit nachempfinden kann. So oft wünsche ich mit Zeit, mich zu sammeln um dann ganz neu und sortiert wieder starten zu können. Aber mit kleinem Babymädchen und einer großen Trauer durch den Tod meines Papas im November bleibt kaum Zeit und Raum und auch Kraft um mal wirklich reinigend im Kopf und im Leben vorzugehen. Irgendwas ist immer und abends denke ich dann an die Brände, die gelöscht wurden oder die immer noch schwelen und Bauchschmerzen bereiten. Auch ohne Tipps und Kniffe habe ich das Gefühl mitgenommen, nicht allein mit dem Wunsch nach Aktion und nicht nur Reaktion zu sein. Danke dafür

  2. Antworten

    Lena

    18. Januar 2018

    Das kenn ich gut. Irgendwie läuft man immer kurz vor Notstrom und wenn dann noch etwas dazu kommt, dann ist immer gleich Holland in Not. Aber in eine Anstellung würde ich trotzdem nicht wieder zurück gehen. Ich hangel mich oft an dem Gedanken wieder hoch, dass es nicht mehr anstrengender wird als jetzt, wo die Kinder so klein sind.
    Lieben Gruß
    Lena

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