Und plötzlich steht die Welt für einen Moment still und dann knallt es.
Millisekunden an die ich mich nur noch verschwommen erinnere. Meine Augen waren offen aber ich habe nichts wahrgenommen.
Ich kann mich noch erinnern, dass ich mich gewundert habe über das Auto, welches mit solcher Geschwindigkeit auf mich zu kommt. Er fährt mir in die rechte Autoseite und mein Auto wird rum geschleudert.

„Eine ganze schöne Wucht muss das gewesen sein, um einen Caddy von den Rädern zu holen“ sagte einer der Polizisten.
Gelandet ist mein Auto auf dem Dach.
Es ist still und ich hänge kopfüber im Gurt. Ich kann denken, ich kann mich bewegen und ich kann mich selber abschnallen. Ich höre draußen rufe.
Ich will schnell raus aus dem Auto, denn mir kommen brennende Autoszenen aus Filmen in den Kopf.
Überall ist Glas der zebrochenen Scheiben, mit den Füßen zu erst kann ich aus dem Auto krabbeln und mir helfen umstehende Menschen.
„Ist noch jemand im Auto“ höre ich den Mann fragen.
Nein, ich war alleine.
Zum Glück, denn sonst würde die Welt heute anders aussehen.

Ich kann nicht stehen. Ich zittere und mein Kreislauf macht schlapp. Mir wird eine Decke unter den Kopf geschoben und meine Füße werden von einer Frau gehalten. Ich merke mir geht es gut. Es ist nur der Schock.
Blut läuft meine Arme runter und ich blicke nach links zu meinem Auto während ich schon dir Sirenen höre.
Nicht nur das, ich höre den anderen Fahrer auf der Straße pöbeln er habe grün gehabt. Mein Kopf fängt an zu rattern. Was ist passiert?
Meine Ampel ist auf grün gesprungen und ich bin los gefahren. Mehr kann ich nicht sagen.
Meine Hände zittern und sind mit Glasscherben übersäht und ich bitte jemanden nach meinem Handy im Auto zu suchen. Ich muss meinen Mann anrufen und meiner Freundin bescheid geben, die gerade am Bahnhof auf mich wartet.

„Mir tut alles weh und es geht mir gut“


Die Sanitäter kommen und fragen mich Routinemäßig nach meinem Befinden und meiner Wahrnehmung.
Mein Hals, mein Kopf, mein Rücken, die Schnittwunden, alles tut mir weh aber ich merke, mir geht es gut. Es ist nichts ernstes, ich kann denken und mich bewegen.
Trotzdem bekomme ich eine Halsschiene und werden auf eine Trage verfrachtet. Zur Sicherheit, falls meine Wirbelsäule doch etwas abbekommen hat.
Ein letztes Mal gucke ich auf mein Auto, wie es da auf dem Dach liegt, alle Scheiben zerbrochen und der Inhalt meines Kofferraumes auf der ganzen Straße verteilt. Bierflaschen und windeln zwischen Glasscherben und Autoteilen. Was für ein Szenario. Ich liege da und gucke in den Wolkenlosen Himmel während ich in Richtung Krankenwagen geschoben werde.
Es fühlt sich ein bisschen an wie ein Dejavu als ich im Krankenhaus durch den Flur geschoben werde und die Deckenlampen des Krankenhausflures an mir vorbei ziehen. Es fühlt sich an wie Bilder die ich schon lange kannte, als während des Aufpralls alles um mich herum wirbelte und die Glasscheiben brachen. Szenen die ich aus Filmen kenne.

Im Krankenhaus wurde ich untersucht, geröntgt und die Wunden versorgt. Bis endlich mein Mann kam, der die Kinder erst an meine Freundin übergeben musste und dann kam. Erst jetzt merke ich, wie der Schock langsam nach lässt. Ich gucke ihm in die Augen und die Tränen brechen aus mir heraus.

Jetzt ein paar Tage später ist alles etwas gesackt. Mir tut jeder Muskel weh und ich kann mich kaum bewegen aber mir geht es gut. Und ich war alleine im Auto. Ich war alleine.
Ich versuche für Momente all die Versicherungsfragen, Anwalt und Polizei geschichten zu ignorieren und ich mich hinein zu fühlen. Von allen Seite nwird nir zugetragen, wei wichtig es ist, das zu verabreiten und das möchte ich. Aber wie? Vielleicht ist genau das hier für mich der erste Schritt.

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4 Kommentare

  1. Antworten

    Christiane

    8. Oktober 2019

    Als stille Leserin, laufen mir grad die Tränen.
    Alles alles Liebe und gute Besserung ❤️.

  2. Antworten

    Barbara

    8. Oktober 2019

    Oh Gott was für ein SCHRECK. Mir kommen beim lesen schon die Tränen. Du wirst hier noch gebraucht. Es war noch nicht deine Zeit.
    Ich wäre bei der Geburt meines Sohnes fast gestorben. Es ist Gott sei Dank nicht unsere Zeit. Alles Gute für dich und du hast deine Familie

  3. Antworten

    Sonja

    9. Oktober 2019

    Liebe Lisa,
    du liebes Lieschen – Dein Beitrag liest sich in der Tat wie die Szene aus einem Film. Es tut mir sehr Leid, was Dir da passiert ist und ich freue mich über Dein Glück (Dir ist nichts schlimmes passiert) im Unglück!! Das mit dem Verarbeiten ist so eine Sache. Als ich mit meiner zweiten Tochter schwanger war, hat mich ein Auto vom Fahrrad geholt und komplett umgefahren. Ich hatte schlimme Knochenbrüche und Operationen – das alles in der Schwangerschaft. Dem Kind ging (und geht es auch heute) es dabei zum Glück immer gut, aber der Schock saß tief, daher kann ich mir gut vorstellen wie es Dir gerade geht. Wohl gemeinte Ratschläge zur Verarbeitung eines solchen Traumas habe ich mir damals auch alle angehört. Letztendlich glaube ich aber, dass es da keinen allgemein gültigen Weg gibt. Mir hat es immer sehr geholfen, darüber zu reden. Ich wollte einfach, dass meine Familie und meine Freunde wissen wie es mir geht und was mich bewegt. Manche verarbeiten Dinge aber auch, indem sie schweigen und alles mit sich selber ausmachen. Viele Dinge relativieren sich durch solch ein Erlebnis und man wird wieder bewusster für die kleinen Momente im Leben. Man genießt diese kleinen Momente umso mehr, auch das hat mir sehr geholfen. Ich bin sicher, Du wirst es auf Deine Weise so verarbeiten, wie es zu Dir passt. Darüber reden, schweigen oder schreiben – es gibt kein richtig und kein falsch. Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Liebe!
    Herzlichst, Sonja

  4. Antworten

    Jule

    9. Oktober 2019

    Liebe Lisa,
    ich fühle ganz doll mit dir und wünsche dir viel Kraft für den Genesungsprozess. Solltest du mal nicht weiterkommen mit der Verarbeitung oder dich alleine fühlen mit deinen Gefühlen, schau dir gern meinen Blog an, in dem ich über genau das schreibe: Trauma (und PTBS) nach einem Unfall – meld dich auch gern jederzeit.
    Du bist nicht allein!! ❤️
    J.

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