So wollen wir Leben // Steenkampsiedlung

Schon vor ein paar Jahren hat uns meine Schwiegermutter von der Steenkampsiedlung erzählt. Sie hat uns immer wieder von Immobilien erzählt, die dort zum Verkauf standen.
Vor ein paar Jahren war das, als wir noch Vino trinkend in der Abendsonne auf dem Schulterblatt saßen. Als wir am Wochenende Frühstücken gegangen sind und von jeder Party nach Hause laufen konnten. Damals konnten wir uns ganz bestimmt nicht vorstellen so weit weg zu wohnen. Ja ja, dahinten beim Volkspark. Für uns waren das damals unüberwindbare Distanzen.
Dafür könnte ich mich jetzt Ohrfeigen. Unsere Lebensumstände und somit unsere Bedürfnisse haben sich verändert. Und meine Sicht zur Steenkampsiedlung hat sich geändert. Ich habe mich verliebt.

Wo und wie wir leben wollen, wussten wir auch nicht.

Wir gucken ja mittlerweile schon länger nach einem kleinen Eigenheim mit Garten und zu Beginn unserer Suche hätte ich niemals gedacht, dass es so schwer wird. Das es so schwer wird, etwas in unserem Budget zu finden und vor allem, dass es so schwer wird sich zu entscheiden wie wir Leben möchten. So ganz aufs Land wollen wir eigentlich nicht, auch wenn uns der Budgetrahmen immer mehr zu dem Gedanken drängt. Wir haben uns einige Häuser in verschiedenen Stadtteilen von Hamburg angeguckt und haben uns nie so richtig wohl gefühlt. In vielen Stadtteilen kann ich es mir, als absolutes Innenstadtkind, einfach nicht vorstellen. Mir sind schon Schnelsen, Langenhorn oder Lurup eigentlich zu weit entfernt. Da mein Herzmann und ich aber beide eher die Elbkinder als Alsterperlen sind, zieht es uns auf jeden Fall in den Hamburger Westen.

Die erste große Liebe

Das zweite Haus das wir uns angeguckt haben, war ein saniertes Haus im Bökenkamp. Also im Herzen der Steenkampsiedlung in Bahrenfeld. Das war eher zufällig als gewollt. Die Siedlung war bis dahin gar nicht auf unseren Radar, aber weil die Fotos so schön waren, sind wir dann mit meinen Schwiegereltern zu der Besichtigung gegangen. Ein wunderschönes kleines Reihenhaus mit einer Vollholztreppe und Pitchpineböden. Große, helle Räume und ein Anbau der einem das Gefühl gab, man würde im Garten sitzen. Ein Dachgeschoss mit Balken und ein kleiner Apfelbaum mit Schaukel.
Der Makler bestätigte uns, dass er auch findet, das Objekt sei etwas überteuert, aber wir taten natürlich so, als wäre es nur knapp an unserem maximal Budget. Keinesweg.
Mit einem stolzen Kaufpreis von 780.000€ war das Träumchen weit über unserem Budget. Wir wollten es uns trotzdem einfach mal angucken, damit wir ein Gefühl dafür kriegen, was man aus den unsanierten Häusern der Siedlung noch machen kann.
Was soll ich sagen, es war um uns geschehen. Danach sind wir dann gemeinsam mit meinen Schwiegereltern durch die kleinen Straßen gelaufen, ein triumphierender  „was hab ich euch gesagt“ Blick auf dem Gesicht meiner Schwiegermutter und Träume in meinem Kopf.

Die Steenkampsiedlung

Die Steenkampsieldung ist ein Bauprojekt der Wohnungsbaugesellschaft SAGA und wurde 1914-1926 in Bahrenfeld für Arbeiter und Kriegsheimkehrer gebaut.  670 Einfamilienhäuser und circa 92 Mehrfamilienhäuser bilden die charmante Siedlung. Kleine geschwungene Straßen verbinden die Areale zwischen den Häusern. Jedes Haus hat einen Garten und hinter den Gärten verlaufen kleine Fußwege. Ursprünglich hatten alle Mieter einen vererbbaren Dauermietvertrag aber 2002 hat die SAGA angefangen die Häuser zu verkaufen. Die Mieter haben dabei ein Vorkaufsrecht und somit riesiges Glück, denn sie haben die Chance bekommen die Häuser zum Verkehrswert zu kaufen. Wenn Mieter ausziehen und das Haus nicht kaufen wollen, werden die Häuser jetzt von der SAGA an den Höchstbietenden versteigert. Die Häuser sind meist runtergekommen und müssen aufwendig saniert werden.
Aber dann…. dann ist es genau das, was wir wollen.

Das wollen wir!

Eine kleine Oase in der Stadt. Das Wort „Siedlung“ klingt immer irgendwie spooky finde ich und erinnert an Neubauklotze. In der Steenkampsieldung ist es ganz anders.
Die Häuser sehen alle ähnlich aus, haben aber alle ihren eigenen, ganz individuellen Charme. Kleine und verwunschene Treppenaufgänge führen zu den schmalen Häusern. Oft steht vor den Häusschen eine kleine Bank in der Sonne. Kinder spielen auf den Straßen und die Eltern stehen quatschend mit ihrem Kaffeebecher in der Hand an den Straßenecken. Die Nachbarschaftliche und wohlwollende Atmosphäre spüren wir, während wir durch die engen Straßen laufen und  jedes einzelne Haus bewundern. Viele Häuser sind bereits saniert und haben ausgetüftelte Anbauten, die den Wohnraum etwas erweitern. Bei anderen sieht man, dass das Haus schon lange lange bewohnt ist und die kleinen Vorgärten liebevoll gepflegt werden. Eine tolle Mischung wie ich finde.
Dazu kommt noch die perfekte Lage. Zwei Minuten von er Autobahnauffahrt Bahrenfeld und 15 min bis nach Altona mit dem Auto. Aber auch mit dem Fahrrad ist alles was man braucht gut zu erreichen.
Schulen, Kindergärten und das Elbe-Einkaufszentrum sind nah. Das einzige was fehlt ist ein nettes Café, aber da klingeln auch schon meine Ohren, denn von einem eigenen Café träume ich seit ich 16 bin.

Entspannung und Hoffnungslosigkeit

Für uns ist es gerade eine Mischung aus Entspannung und Hoffnungslosigkeit. Wir sind entspannt, dass wir endlich ein Gefühl dafür haben, wie wir leben möchten und was das Richtige für uns ist. Wir wollen uns nun nicht mehr bei jedem Immobilienangebot fragen, ob wir nicht doch auch überlegen könnten nach Pinneberg zu ziehen, oder doch eine kleine Wohnung in der Stadt zu wählen. Wir haben hier das Model gefunden, womit wir uns richtig wohl fühlen. So möchten wir leben!
Zeitgleich sind wir aber Hoffnungslos.
Hoffnungslos wegen der Preisentwicklung. In Gedanken dehnt sich unsere Budgetgrenze gerade so weit, dass ich Bauchweh kriege, wenn ich an die Umsetzung denke. Sanierte Häuser gehen dort auf die Million zu und unsanierte Häuser sind schon so teuer und so alt, dass es in keinem Verhältnis steht. Und das, obwohl es eine ganz normale Siedlung ist und nicht die Elbchaussee.

Hätten wir doch bloß auf meine Schwiegermutter gehört

Eines ist mir jetzt auf jeden Fall klar: hätte ich doch bloß auf sie gehört. Nun quälen wir uns weiter durch Makleranzeigen, Immoscout und Gebote der SAGA und hoffen auf bezahlbare Angebote in der Gegend. Ich möchte, dass meine Kinder in der Steenkampsiedlung aufwachsen und ich hoffe, dass wir irgendwann eine Lösung dafür finden, die uns keine Bauchschmerzen bereitet.
Falls ihr also jemanden kennt, der dort ein Haus verkauft oder Chef der SAGA ist, lasst es mich wissen.

Wenn ihr Interesse an unseren Erfahrungen zu den Preisen und unserer Erlebnisse beim Gebotsverfahren der SAGA habt, lasst es mich wissen, dann schreibe ich darüber noch mal einen gesonderten Post.

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4 Kommentare

  1. Antworten

    Martha

    12. Mai 2017

    ahoi liebe lisa,

    ich wünsche euch von herzen glück. die siedlung ist wirklich inzwischen so enorm bei jungen familien beliebt, dass ich ich mindestens 5 paare kenne, die auch händeringend nach einem objekt dort ausschau halten und ein anderes paar hat sich tatsächlich für 600.000 ein unsaniertes haus gekauft. der wahnsinn. denn die häuser sind wirlich megahübsch, aber auch relativ klein. ich hoffe, dass der hamburger wohnungsmarkt sich langsam entspannt und diese teilweise echt abzocke aufhört. alles gute für euch!

    • Antworten

      Lisa

      12. Mai 2017

      Hey Martha, Danke dir!
      Ja abhocke trifft es wohl!
      Hätten wir etwas mehr Kleingeld hätte ich dort auch die 600.000 ausgegeben aber wir können das leider nicht. Ich frag mich auch immer wie ganz normale Leute das machen. Da muss man ja Mega viel Eigenkapital haben damit die monatliche Rate dann nicht bei 2500 oder so liegt. Naja, wir können das leider nicht!
      Danke Fürs Daumen drücken!

  2. Antworten

    Ulrike

    12. Mai 2017

    Solange die Leute so einen Wucher bezahlen, hört das leider nicht auf … Ich würde nie soviel Geld für ein altes Haus ausgeben. Da haste jede Woche ne neue Überraschung, was saniert werden muss! Für das Geld kann man schon schauen, ob man ein Grundstück mit altem Haus zum Abriss findet und dann neu baut. So hat mein Chef es gemacht. Und dann hat man für das weniger Geld einen Neubau und weitaus mehr Platz. Oder schaut doch mal nach Baugemeinschaften. Da tun sich Leute zusammen, kaufen ein Grundstück und bauen als Gruppe.
    http://www.hamburg.de/start-liste-baugemeinschaften/

  3. Antworten

    Melanie

    12. Mai 2017

    Liebe Lisa,

    ich kann euch auch die Baugemeinschaften empfehlen. Wenn man sich hier mit den richtigen Leuten zusammentut, hat man sehr schnell genau die tolle Atmosphäre, die du in der Steenkampsiedlung beschreibst. Wir leben mit vielen anderen Familien und insgesamt 40 Kindern in einer alten umgebauten Schule. Und tatsächlich haben wir hier ein Dorf mitten in der Stadt – ein kleines Bullerbü… ich bin jeden Tag was wieder froh, dass wir nicht aus der Staft rausmussten und trotzdem den Vorteil der kleinen, vertrauten Gemeinschaft haben. Schaut doch mal, ob ihr euch nicht mit mehreren Familien zusammentun könnt… ich drück fest die Daumen!

    Liebe Grüße, Melanie

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